Schritt für Schritt zu mehr Artenvielfalt
Artenreiche Gärten können sehr unterschiedlich aussehen. Sie müssen Ihren Garten nicht gleich zum perfekten Naturgarten umgestalten. Stattdessen können Sie Bausteine einarbeiten, die die biologische Vielfalt fördern und die zu Ihrer Gartennutzung passen. Viele Dinge, die wertvoll für die Artenvielfalt sind, funktionieren auch auf kleinen Flächen, sodass sie in alle Gartentypen integriert werden können.
Was tun und was vermeiden – vier Tipps
1. Weniger versiegeln
Offener Boden ist wertvoller Lebensraum. Der hohe Anteil versiegelter Fläche wird zunehmend zum Problem. Denn wo Boden versiegelt ist, versickert der Regen nicht mehr in der Erde und der Grundwasserspiegel sinkt. Durch die Versiegelung stirbt zudem die Bodenfauna, Pflanzen können dort nicht wachsen und es kann keine kühlende Verdunstung stattfinden. Dabei könnten viele Flächen, die versiegelt werden, auch anders gestaltet werden: Zwischen Rasengittersteinen siedeln sich Wildkräuter an; in Sand oder offenem Boden können Insekten nisten.
2. Gärtnern ohne Gift
Pflanzenschutzmittel schaden nicht nur der Blattlaus, sondern auch ihren Fressfeinden wie Marienkäfern oder kleinen Singvögeln. Außerdem gelangen Pestizide über die Pflanze oder den Boden ins Grundwasser.
3. Erde ohne Torf
Torf wird aus Jahrtausende alten Mooren gewonnen, die wertvolle CO₂-Speicher sind und seltene Arten beherbergen. Wer auf torffreie Erde setzt, tut damit nicht nur etwas für den Klimaschutz, sondern auch für die Artenvielfalt in Mooren.
4. Winterquartiere
Im Spätherbst schneiden viele Gärtner*innen ihre Stauden und Sträucher zurück und entfernen das gesamte Laub aus dem Garten. So verschwinden jedoch Plätze zum Überwintern für Insekten und Kleintiere. Lassen Sie die Stängel von Blumen und Stauden stehen (bis Ende April/Anfang Mai), denn sie bieten wertvollen Unterschlupf. Laub kann unter Bäume und Sträucher geharkt werden. So wird das Bodenleben angeregt und gewärmt, Stauden sind gegen Frost geschützt und für insektenfressende Vögel entsteht Raum für die Nahrungssuche.
Vielseitige Bausteine
Legen Sie natürliche Nisthilfen an, zum Beispiel für Schmetterlinge, Wildbienen und Hummeln oder auch für Nützlinge wie Marienkäfer: Damit sind nicht nur die bekannten Insektenhotels gemeint, sondern vor allem Laub- oder Reisighaufen sowie offene Böden oder Sandkuhlen. Letztere sind wichtig, da viele Wildbienenarten in der Erde brüten.
Wichtig sind auch Totholzelemente wie Baumstümpfe oder einfach anzulegende Reisighaufen. Wer solche Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeiten und damit Lebensraum schaffen möchte, kann eine Naturecke im Garten zulassen.
Auch in einer Trockenmauer fühlen sich Käfer, Wildbienen und andere Kleintiere zuhause.
Nahrung für Insekten und Vögel können Sie durch Wildblumen, heimische Sträucher oder Wildstauden schaffen: Heimische (Wild-)Pflanzen sind besonders wertvoll, weil sich viele Insektenarten im Laufe der Evolution auf diese Pflanzen spezialisiert haben. Zwar werden viele Gartenpflanzen von Honigbienen angenommen, doch das heißt nicht unbedingt, dass sie auch gefährdeten Wildbienenarten helfen, Samen für Vögel bieten oder Schmetterlingen als wichtige Raupen-Futterpflanzen dienen.
Ein artenreicher Blumenrasen ist ideal, um auf Rasenflächen Artenreichtum zu schaffen. Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel freuen sich auch dann, wenn nur in einem kleinen Teil des Gartens Wildblumen und hohe Gräser wachsen, beispielsweise auf einem Wiesenstreifen oder in einer Naturecke.
Wer keine Blühelemente mitten in seinem Rasen möchte und auf geordnetes Gartenstyling Wert legt, kann ein sonniges oder schattiges Wildstaudenbeet anlegen oder Wildpflanzentöpfe aufstellen. Wichtig ist es hier, einheimische Wildstauden zu wählen, keine Hybriden oder Neophyten.
Wildsträucherhecken sind ebenfalls wertvoll, am besten mit Beeren oder Blüten. Anstelle von Bambus oder Kirschlorbeer sollte man lieber heimische Sträucher wie Weißdorn, Kornelkirsche, Liguster, Faulbaum oder Pfaffenhütchen wählen. Zusätzlich können auch Zäune oder Fassaden durch eine Vertikalbegrünung aufblühen.
Wasser hilft – auch Vögel und Insekten haben Durst und viele Tiere benötigen Wasser, um ihre Eier abzulegen. Wer etwas für Libellen tun möchte, der kann in seinem Garten einen Miniteich anlegen.
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